Deutschland verrät Nichtraucher
Bild: Wikipedia
Im Nichtraucherschutz spielt Deutschland ja eine ähnliche traurige Rolle wie bei den Agrarsubventionen. Während in Ländern wie Italien, Irland, Norwegen oder Schweden eine rauchfreie Gastronomie schon längst möglich ist, hat unsere Bundesregierung mal wieder vor der Tabakindustrie den Schwanz eingezogen:
Nach Pressemeldungen soll das Rauchen in Gaststätten mit weniger als 75 Quadratmeter Fläche uneingeschränkt erlaubt bleiben. Hallo - das ist wohl ein Witz?! Wie kann eine Koalition, die ständig über die hohen Kosten der Gesundheitsversorgung klagt (und diese demnächst mal wieder auf die Arbeitnehmer abwälzen wird) - tatenlos zusehen, wie Menschen täglich vergiftet werden??? Es geht ja nicht nur um die Gäste, die sich mehr oder weniger freiwillig in den Qualm setzen, sondern auch um die Menschen die dort unter Feinstaubkonzentrationen arbeiten müssen, die an jeder Straße zu einem sofortigen Verkehrsverbot führen müssten.
Die Konsequenzen sind gut untersucht und dokumentiert: Jährlich sterben in Deutschland über 3.000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens, die Gesundheitskosten, die jährlich durch Rauchen entstehen, übersteigen die Einnahmen aus der Tabaksteuer bei weitem. Soweit man diesen perversen Vergleich ziehen möchte, denn diese Gesundheitskosten bedeuten: Zehntausende von Krebskranken und -toten, beinamputierte Krüppel, Tod und Leid in Tausenden von Familien.
Der schwachsinnige Vorschlag stammt übrigens vom Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen. Wie der Stern meldet, deckt er sich inhaltlich mit dem Positionspapier des Verbandes der Cigarettenindustrie. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang sieht.
Herr Röttgen hat ja bekanntlich viel Erfahrung, was Lobby-Arbeit angeht: Ab Januar 2007 wollte er eigentlich neben seinem Bundestagsmandat die Geschäftsführung des Bundesverbandes Deutsche Industrie (BDI) übernehmen. Nur massive Kritik an dieser mehr als anrüchigen Doppelrolle - unter anderem aus dem BDI selbst - hielten ihn davon ab.
Ist ja nicht nur so dass das rauchen in Lokalen unter 75qm erlaubt bleibt, was heißt das Papier denn in der Praxis:
- rauchen erlaubt in jedem Restaurant, Kneipe, Bar, Cafè, Club unter 75qm
- rauchen erlaubt in jeder Kneipe, Bar, Cafè, Club über 75
- lediglich große Restaurants über 75qm müssten in die Ecke ein paar Schildchen stellen, geraucht dürfte aber weiterhin, weil ja noch nicht mal abgetrennte Räume erforderlich sind
Das Gesetz würde die Situation sogar noch verschlechtern. Zumal sich dann einfach niemand als “Restaurant” definiert – Bistros, Speisekneipen, Imbisse, McDonalds, Eiscafes etc. gelten nach dem Papier nämlich nicht als Restaurants.
Also, überbordende Bürokratie durch ein Gesetz das niemanden schützt, der vorschlag der SPD hingegen macht keine Bürokratie, ist dafür fair und leicht verständlich und schützt simpel jeden Angestellten incl. Kellner.