Ein Volk von Managern
Bild: Brigitte
Ich bin ja ein begeisterter Frauenzeitschriften-Leser. Ich finde es faszinierend, wie man mit immer denselben fünf Themen alle zwei Wochen ein Heft füllen kann. Ein bisschen erinnert mich das an meine eigene Arbeit, auch wenn wir die Kunst, Anzeige und Redaktion nahtlos ineinander übergehen zu lassen, noch längst nicht so perfekt beherrschen.
Ein wichtiger Bestandteil jeder Frauenzeitschrift ist eine “Testimonial”-Strecke, in der ganz normale Frauen ein Statement abliefern, meist zu Themen wie “Was ich im Bett am liebsten mag”, “Wie sage ich ihm, dass ich mehr Sex will” “Mein Mann will kein Kind - was tun?”, etc. Interessant sind weniger die Antworten, sondern die kreativen Berufsbezeichnungen der Damen. Schuhverkäuferinnen, Sekretärinnen oder Frisösen tauchen da nämlich nicht auf, dafür jede Menge Shop Managerinnen, Projektleiterinnen und Creative Assistants. Nur Brigitte mit ihrer über 50-jährigen Tradition traut sich manchmal eine Sprechstundenhilfe als solche zu bezeichnen - und bekommt dafür prompt Ärger. Wie nämlich “Praxismanagerin” Cornelia G. in ihrem Leserbrief feststellt, heißt das jetzt “Medizinische Fachangestellte”. Zugegeben - es ist immer noch derselbe öde, schlecht bezahlte Job, aber fühlt man sich mit einem pompösen Titel nicht gleich viel besser? Ich lasse mich schließlich auch lieber “Editor” als “Schmierfink”, “Schreiberling” oder “Seitenfüller” nennen. Ich bin deshalb dafür, sofort auch noch die letzten despektierlichen Berufsbezeichnungen abzuschaffen und allesamt zu “Managern” zu ernennen. Aus der bereits erwähnten Frisöse (oder muss es “Frisörin” heißen?) machen wir kurzer Hand einen “Hair Manager”. Unsere Redaktionsassistenz ernenne ich hiermit zum “Editorial Manager”, genau so, wie sich unsere Putzfrau ab sofort “Vice President of Facility Cleaning” nennen darf. Fallen mir noch der “Creative Shoe Selling Artist” und der “Live-Stock Products Specialist” (= Wurstverkäuferin) ein. Weitere Ideen an mich oder gleich an infoline@brigitte.de.