Krähenblödsinn in der Süddeutschen

Im Lokalteil der heutigen SZ-Ausgabe steht ein unglaublich dämlicher Artikel über Krähen. Schon der Titel “Harmlose Vegetarier, aber auch brutale Räuber” lässt Schlimmes ahnen, doch der Text ist noch viel schlimmer. Die Autorin, Renate Winkler-Schlang, hat von Krähen gar keine Ahnung und offensichtlich auch keinen Bock gehabt, dieses durch eine kurzen Besuch bei Wikipedia zu ändern. Stattdessen betet sie den Blödsinn nach, den ihr ein Krähenhasser erzählt hat. Da musste ich folgenden Leserbrief schreiben:
Einen derart hanebüchenen, von keinerlei Sachverstand getrübten Blödsinn über Rabenvögel habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Saatkrähe und Rabenkrähe sind nicht zwei “Sorten von Krähenvögeln” sondern zwei verschiedene Arten. (Man spricht auch nicht von “Krähen-” sondern von “Rabenvögeln”!) Die Saatkrähe ist genauso wenig ein Vegetarier, wie die Rabenkrähe ein brutaler Räuber ist. Der Schnabelansatz der Saatkrähe ist nicht hell befiedert, sonder einfach ganz ohne Federn und deshalb hell. Die Verteufelung der Rabenkrähe durch den “Jäger” Köster ist rein durch dessen Interesse am Abschuss geprägt. Ein negativer Einfluss des Rabenkrähen-Bestandes auf Kleinvögelbruten oder Niederwild konnte nirgends wissenschaftlich belegt werden. Nur rund drei Prozent der Rabenkrähen-Nahrung besteht aus Eier und Jungtieren. Viel stärker ins Gewicht fällt die Plünderung von Nestern durch Kleinsäuger. Auch das putzige Eichhörnchen ist übrigens ein sehr effektiver Nesträuber! Die Abnahme des Spatzes am Chinesischen Turm und anderswo in München (richtig: Haussperling) hat nicht das Geringste mit den Krähenbeständen zu tun, sondern ist vielmehr von uns Menschen zu verantworten. Wir haben seine Lebensräume zerstört und Nistmöglichkeiten zubetoniert. Wenn ein “hübscher” Vogel sein Nest verteidigt, wären wir beeindruckt, die Krähe, die dasselbe tut, wird als”Jogger-Jägerin” diffamiert.
Die Jagd mit Schrot, die Köster aus Bequemlichkeit so gerne wieder aufnehmen würde, ist umweltschädlich und tierquälerisch. Bleischrot kann sogar dem Menschen gefährlich werden, denn Blei ist ein extrem starkes Nervengift, das schon in kleinen Dosen wirkt. Nicht umsonst hat die EU sogar die Verwendung von Blei in Lötzinn verboten. Im Übrigen ist die Rabenkrähe gar kein jagdbares Wild sondern untersteht als Singvogel (jawohl, die Rabenkrähe ist genauso ein Singvogel wie der Spatz!) dem Naturschutzrecht. Nur in Bayern gibt es wieder einmal eine Ausnahme vom Jagdverbot. Der Krähenbestand reguliert sich im Übrigen selbst: Gibt es nicht genügend Brutplätze, ziehen revierlose Junggesellentrupps umher und plündern Nester - und zwar die anderer Rabenkrähen. Eine Bestandsregulierung durch Jagd ist deshalb völlig sinnlos und überflüsig. Sie schadet darüber hinaus auch anderen Vogelarten wie Baum- und Turmfalke oder Waldohreule, die gerne in alten Krähennestern brüten.
Es ist wirklich ärgerlich in Ihrer Zeitung einen derart sachlich falschen und nur von den Interessen des Jägers am Krähenabschuss geprägten Artikel lesen zu müssen. Ich empfehle der Autorin dringend, die alte Journalisten-Regel “Audiatur et altera pars” zu beherzigen und beim nächsten Mal auch die Seite der kompetenten und wissenschaftlich korrekt arbeitenden Naturschützer zu hören. Robert Reisinger, Leiter des Arbeitskreises Saatkrähenschutz Oberbayern beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist sicher gerne zu einem Interview bereit.